Termine

Max Hilsamer | Unit for Observation

01.10. – 27.10.2026 / 10:00 – 17:00 Uhr Vernissage 01.10 18h /

Unit for Observation bezeichnet eine Bauart mobiler Kameratürme, die zur Fernüberwachung urbaner Räume eingesetzt werden. Je nach Anbieter sind die Module mit Scheinwerfern ausgestattet, die ihre Umgebung in markentypischen Signalfarben ausleuchten. Sie sind ein vergleichsweise junges Phänomen im Stadtbild und eröffnen eine neue Dimension der nächtlichen urbanen Landschaft.

Für sein Projekt Unit for Observation (UFO) hat Max Hilsamer in nächtlichen Spaziergängen nach diesen Lichtern mit grüner Farbe gesucht und Standorte fotografisch dokumentiert. Im Zentrum seiner Untersuchung steht die Frage, wie diese neuen Farbräume visuell in den Stadtraum eindringen und ihn verändern. Paradoxerweise machen die Lichter gerade jene randständigen Orte sichtbar, die durch Überwachung und Absicherung dem öffentlichen Zugriff entzogen werden sollen: Baustellen, private Grundstücke und Brachen werden durch ihre Beleuchtung zu visuellen Ereignissen, geraten ins Spotlight.

Während im klassischen panoptischen Szenario der Blick der Überwachung zwar allgegenwärtig ist, von den Überwachten aber weder erwidert noch eingesehen werden kann, wird der überwachende Gaze hier selbst zum Spektakel. Die technische Infrastruktur der Kontrolle tritt in den Vordergrund und prägt als leuchtendes Objekt den öffentlichen Raum.

Dabei erzeugen die UFOs eine spezifische Unheimlichkeit, die sich nicht unmittelbar im realen Horror von Überwachung, Einhegung und Verdrängung erschöpft. Vielmehr ist sie eingebettet in die Bildsprache und Semiotik des Genrekinos: Die Farbcodes erinnern an Science-Fiction, Horror und außerirdische Invasoren. Auch die apokalyptischen Landschaften Ludwig Meidners und anderer expressionistischer Gemälde lassen sich in der neuen Landschaft wiederfinden. Die Bilder in der Ausstellung dokumentieren dabei nicht nur die UFOs und die markierten Areale, sondern öffnen auch Spekulationen darüber, wie das Licht auf die Umgebung abstrahlt.

Wie dringt die grüne Farbe in die Räume der Anwohner*innen ein? Stört es sie im Schaf und treibt in den Träumen seltsame Blüten?

BIO:

Max Hilsamer ist Filmemacher und Medienkünstler. Er studierte Bildende Kunst und Experimentalfilm an der Universität der Künste Berlin und an der Parsons, The New School, in New York. Seine Arbeiten wurden unter anderem auf Filmfestivals wie DOK Leipzig, Max Ophüls Preis, Vienna Shorts, FILE São Paulo und Proyector Madrid gezeigt. In hybriden Formen zwischen Fotografie, Dokumentar- und Experimentalfilm verbindet er in seiner Praxis ortsspezifische Beobachtungen, persönliche Erzählungen und die Materialität des Archivs. In seinen Ortsporträts betrachtet er Räume als Assemblagen oder poröse Geographien, die vielfältige Zugangspunkte und Interpretationsmöglichkeiten bieten. Für ihn sind Film und zeitbasierte Medien Werkzeuge, um die provisorischen und vorübergehenden Verbindungen festzuhalten, die innerhalb solcher räumlicher Konstellationen entstehen.